holzminden-  wirtschaftsmagazin 

 

Welterbetitel für das „Karolingische Westwerk und die Civitas Corvey“ 
 

Das Westwerk von Corvey Bild:© dieaktuellekamera.de

„Das Westwerk von Corvey in Höxter an der Weser ist eines der wenigen in den wesentlichen Teilen erhaltenen karolingischen Bauwerke und darüber hinaus das einzige erhaltene Zeugnis des Bautyps Westwerk aus dieser Zeit“,  begründete das UNESCO-Komitee in der Hauptstadt Doha  seine Entscheidung. Es vereine Innovation mit dem Rückgriff auf antike Vorbilder auf hohem Niveau und habe als Bautypus die abendländische Architektur bis zum Ende der Romanik ganz wesentlich mit geprägt, so das internationale Gremium. 


Die im Original erhaltene gewölbte Halle mit Säulen und Pfeilern im Erdgeschoss sowie der dreiseitig von Emporen umgebene Hauptraum im Obergeschoss reihten Corvey unter die prägnantesten Beispiele der „karolingischen Renaissance“ ein. Das gelte in besonderem Maße auch für die an den noch vorhandenen Elementen nachvollziehbare, ursprüngliche künstlerische Ausstattung des Erd- und insbesondere des ersten Obergeschosses mit lebensgroßen Stuckfiguren und mythologischen Friesen, die das einzig bekannte Beispiel von Wandmalereien christlich umgedeuteter antiker Mythologie in karolingischer Zeit darstellten.
„Bau und Ausstattung verweisen mit besonderer Eindringlichkeit auf die für die abendländische Geschichte grundlegend gewordene Ideenwelt der Karolingerzeit“, erklärten die Experten der UNESCO. Ebenso wie durch die historische Überlieferung sei Corvey durch die erhaltene Baugestalt und die archäologischen Zeugnisse mit kulturellen Zentren in Europa, auch über das einstige Reich der Karolinger hinaus, verbunden.


 

Corvey - Westwerk Johanneschor Bild: © dieaktuellekamera.de


 

Das gewölbte Quadrum in der karolingischen Eingangshalle des Westwerks Bild: © dieaktuellekamera.de


 

Durch den besonderen Titel ist Corvey nun die 39. Welterbe-Stätte in Deutschland und die erste im westfälischen Landesteil von Nordrhein-Westfalen. Zu diesen von der UNESCO ausgewählten Orten zählen in Deutschland bislang unter anderen die Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin, die Altstädte von Stralsund und Wismar, die karolingische Königshalle in Lorsch, die Klosteranlage Maulbronn oder die Wieskirche im Pfaffenwinkel. Auf der internationalen Bühne kann Corvey nun in einem Atemzug mit dem Pariser Eiffelturm, der Chinesischen Mauer oder den Pyramiden von Gizeh genannt werden.  Nominiert waren in diesem Jahr 36 Kultur- und Naturerbestätten in der ganzen Welt. In die aktuelle Welterbe-Liste aufgenommen wurden unter anderem das Fabrikgebäude Van Nelle im niederländischen Rotterdam, die Seiden-Fabrik in Tomioka in Japan sowie  die Zitadelle von Arbil im Irak.